Der Wal, der immer mehr wollte

Antolin Quiz
von Rachel Bright, Jim Field (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 20. Dezember 2021

Der Wal, der immer mehr wollte

Sehnsucht ist ein Gefühl, das einen innerlich zerfrisst und eine Leere hinterlässt, die man zu füllen versucht. Schwer wird es, wenn man nicht weiß, wonach man sich sehnt, denn dann wird es schwer, die entstandene Leere zu füllen. Nichts von all dem, wonach man greift, vermag innere Ruhe und Zufriedenheit zu bringen. Genau davon erzählen Rachel Bright und Jim Field in ihrem Bilderbuch „Der Wal, der immer mehr wollte“.

Die Suche nach etwas

Wendelin der Wal zieht durch die Ozeane, immer auf der Suche nach Dingen, die er sammeln kann. In Schiffswracks und auf dem Meeresboden wird er stets fündig. Er hebt Schatz um Schatz, sammelt immer mehr auf seinem Walrücken. Doch egal was Wendelin auch findet, nichts von all den Dingen macht ihn glücklich. Stets treibt ihn seine Suche nach etwas Bestimmten, das er jedoch nicht in Worte fassen kann, voran. Erst als Wendelin Krabbe Krissi trifft, ändert sich das. Sie spricht mit ihm über Glück, Traurigkeit und Sehnsucht, die im Herzen wohnen. Dabei wird in Wendelin die Erinnerung an ein altes Lied wach, das seine Mama immer sang. Als Wendelin dieses Lied nun zu singen beginnt, beginnen die Fische um ihn herum zu tanzen. Wendelin erkennt, was ihm bisher fehlte und sein Herz beginnt sich zu öffnen.

Der Wal, der immer mehr wollte

Glück liegt nicht im Anhäufen von Besitz

Rachel Bright nimmt sich dieses Mal einem großen und schweren Thema an: Sehnsucht und die Suche nach dem Glück. Dieses verpackt sie natürlich wieder in einer herzerwärmenden Geschichte, die in Reimform erzählt wird. Statt von Menschen erzählt die Autorin allerdings von Tieren, von einem Wal, der auf der Suche nach etwas ihm unbekannten durch das Meer schwimmt. Er findet auch viel - doch nie ist er glücklich darüber. Im Gegenteil. Trotz all den Dingen, die her herumträgt, sind seine Augen traurig, sind seine Mundwinkel nach unten gebogen. Erst als ihm eine kleine Krabbe Stopp zuruft, als sie ihn auffordert, seine Sammelwut zu erklären, beginnt der Wal sein Verhalten zu reflektieren. Er stellt sich seiner Sehnsucht und erkennt, was ihm fehlt.
Rachel Bright spricht hier also ein großes Thema an, bricht es aber für Kinder leicht verständlich herunter. Die Geschichte regt sie zum Nachdenken an, lässt sie Fragen stellen, die gleichzeitig der Beginn von tiefgründigen Gesprächen sind.
Während Rachel Bright die Geschichte in Worten erzählt, hat Jim Field sie in Bildern festgehalten. Wunderbar und faszinierend stellt der die Unterwasserwelt dar, mit ihren bunten Farben und dem im Wasser glitzernden Sonnenlicht. Dazwischen platziert er großflächig und mitunter plakativ Wal Wendelin. Auch er ist beeindruckend gezeichnet und man kann seine Traurigkeit deutlich in seinen Gesichtszügen erkennen. Zum Ende ändert sich das. Wendelin wird fröhlich, seine Augen strahlen, sein Mund lacht. Und seine Schätze? Die hat er an die anderen Tiere weitergegeben.

Der Wal, der immer mehr wollte

„Der Wal, der immer mehr wollte“ ist ein wundervolles Bilderbuch über Sehnsucht, einen Platz in der Welt und dem Gefühl, irgendwohin zu gehören. Rachel Bright erzählt hier für Kinder wieder ein großes Thema auf einfache Art, während Jim Fields Illustrationen das ganze abrunden. Besitz, Sehnsucht und die Suche nach Zugehörigkeit, all das und manches mehr wird man in diesem Bilderbuch finden.

Details

Bewertung

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