Marie Käferchen

Antolin Quiz
von Kai Lüftner, Wiebke Rauers (Illustration)
Rezension von Janett Cernohuby | 25. März 2022

Marie Käferchen

Familien haben ein klares Bild davon, wie ihre Kinder sein sollen. Natürlich müssen sich die dann in diese Vorstellungen einfügen, müssen Wünsche und Anforderungen erfüllen, die man an sie stellt. Doch was, wenn eines dieser Kinder aus der Reihe tanzt? Was, wenn es statt sanfter Popmusik eher rockige Töne anschlägt? Marie Käferchen erzählt es uns.

Marie Käferchen fetzt

Marienkäfer sind niedliche kleine Krabbeltiere. Mit ihrem roten Pünktchenkleid erfreuen sie uns, krabbeln lustig umher und schwirren auf zarten Flügeln durch die Luft.
Marie Käferchen entspricht jedoch nicht diesem Bild. Sie ist keineswegs sanft und still, sie ist laut und schrill. Wo Marie Käferchen auftaucht, da rockt das Leben, da wackelt die Bude. Marie Käferchen fetzt. Doch ihrer Familie und ihren Nachbarn gefällt das gar nicht. Sie hätten lieber ruhige Melodien, statt laute Rockklänge. Bald schon steht Marie ganz alleine da. Keiner will ihre Musik hören, bis ein paar bunte Käfer vorbeikommen, im Gepäck Gitarren und Verstärker. Sie erkennen Maries Talent und rocken mit ihr den Wald.

Marie Käferchen

Hier rockt das Bilderbuch

Rockmusik ist mit bestimmten Vorurteilen behaftet: Sie ist laut, sie ist rebellisch, sie ist plump und ganz sicher ist sie nicht süß. Doch das erwartet Maries Familie von ihr. Sie soll süß sein, lieb und niedlich. Damit sind wir schon mittendrin im Thema von Kai Lüftners Bilderbuch. Es geht um Erwartungshaltungen, die wir an unser Gegenüber haben. Es geht darum, Anderssein zu akzeptieren, und sei es nur der Musikgeschmack. Alles das verpackt er in rockige Reime, die uns wachrütteln und ihre Botschaft hinausfetzen. Sei wie du bist, lautet diese und Marie Käferchen tut genau das. Sie ist eine sechsbeinige Rockerbraut, die mit lauten Tönen allen zeigt, wo es langgeht. Leiser sein, gibt es bei ihr nicht, auch dann nicht, als immer mehr Waldbewohner ihr den Rücken zuwenden. Marie Käferchen steht zu dem, wie sie ist - und steht bald schon alleine da. Das tut weh, das schmerzt, aber zum Glück nicht lange. Denn Marie findet in einer Käfer-Rockband neuen Anschluss. Schnell hat sie die Truppe überzeugt, dass sie auf Marie nicht verzichten können und schon bald rockt die Band den Wald. So gut, dass plötzlich ihre Familie und alle, die sich Ohren zuhaltend von ihr abgewandt haben, zurückkommen. Denn nun ist Marie ein Star und das wird gefeiert.
Natürlich könnte man an dieser Stelle einwerfen, mit dem Ruhm kommt plötzlich die Akzeptanz, schließlich möchte jeder ein Stück davon abhaben. Doch vergessen wir diesen Gedanken und schauen lieber auf die eigentliche Botschaft. Kai Lüftner bringt diese fetzig und rockig zu seiner junge Leserschaft. Unterstützt wird er dabei von Wiebke Rauers‘ Illustrationen. Nicht zum ersten Mal arbeiten die beiden zusammen. Schon in der Vergangenheit hat die Illustratorin Kai Lüftners Geschichte mit coolen und fetzigen Bildern in Szene gesetzt. Wiebke Rauers zeigt, wo die E-Gitarre im Wald hängt. Ihre Bilder geben den Ton wieder, den der Autor in seinen Reimen anschlägt. Was in Liedern die Melodie ist, sind in diesem Bilderbuch die Illustration.

Marie Käferchen

In diesem Frühjahr rockt „Marie Käferchen“ das Kinderzimmer. Mit fetzigen Reimen und rockigen Illustrationen erzählt uns der Krabbelkäfer vom Anderssein, von Toleranz und erinnert uns daran, so zu sein, wie wir sind. Ein genialer Kinderbuchkracher, der klein und groß gefallen wird.

Details

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